Nicht ohne meine Handtasche


Jede Frau besitzt mindestens eine Handtasche, in den meisten Fällen in jeder Form und jeder Farbe eine. Aber wie haben Frauen früher ihren Alltag gemeistert - ohne Taschen?
Schon in Urzeiten benötigten Menschen transportfähige Hüllen, mit denen sie Nahrung oder Holz sammeln konnten. In den letzten Jahrtausenden entwickelten sich aus einfachen Transportgefäßen immer aufwändigere Taschen, die verschiedenen Anforderungen gewachsen sein mussten. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich vor allem die Frauen-Handtasche weiter, in den letzten Jahrzehnten wurde sie auch immer wichtiger für den Mann.


Ein Wegbereiter, der zum Erfolg der Tasche beitrug, war die Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Erst dank Maschinen und der daraus entstandenen Massenproduktion wurden Taschen für jedermann zugänglich und erschwinglich. Der Wandel der Kosumbedürfnisse in der Industrialisierung forderte zudem neue Taschenformen: Aktentasche oder Henkelmann nahm Mann mit zur Arbeit und spezielle Freizeittaschen wurden für Sport und Ausflüge ins Grüne entwickelt. Neben neuen Maschinen wurden zudem auch neue Produktionsarten entwickelt: So wurden beispielsweise neue Gerbverfahren und Techniken entdeckt, durch die Ledertaschen günstiger wurden. 
Eine besondere Rolle spielt seit Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem die Frauen-Handtasche. Während andere Taschen der Funktionalität dienen, steht sie für Schönheit. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurde sie zum wichtigsten Accessoires der Frau. Zudem dokumentiert sie den Wandel des Frauenbildes in den vergangenen 200 Jahren.


Im 18. Jahrhundert wurden die nötigsten Mitbringsel in kleinen, eingenähten Eingriffstaschen im Rock verstaut. Große und praktische Taschen waren ausschließlich Männern vorbehalten. Die Idee zu Handtaschen entstand, als Kleider enger wurden und sich Kosmetikartikel und Geld durch Beulen in der Kleidung abzeichneten. In bestickten Beutelchen und Pompadours des frühen 19. Jahrhunderts trugen Frauen Handarbeitsutensilien mit sich, weil sie stets das Bild einer fleißigen Frau verkörpern wollten - auch wenn sie keinen Beruf ausübten. Später dienten sie lediglich zum Transport von Tanzkarten, Tagebüchern, Fächern, Spitzentaschentüchern, Briefen und Visitenkarten. Besonders beliebt waren die so genannten Ridiküls, die die Form von kleinen Beuteln hatten. In den 30er und 40er Jahren waren Seidenkreuzstich auf Leinen sehr beliebt, in den 50er und 60er Jahren galt Wollstickerei als letzter Schrei. Die Taschen wurden zudem nicht mehr nur aus Stoff gefertigt, sondern aus Metall, Leder und dem damals sehr populären Elfenbein. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Taschen größer und aus robusten Leder gefertigt. Sie begleitete die emanzipierte Frau in ihrem neuen Arbeitsalltag.


Anfang des 20. Jahrhunderts galten Schlangenhaut und Krokodil als besonders chic. Auch orientalische Stoffe wirkten eine große Anziehungskraft aus. Die 20er-Jahre gelten als Blütezeit der Handtasche, man sah keine modebewusste Dame ohne sie. Unter dem Arm geklemmt passte sie zum androgynen Look der Goldenen Zwanziger. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Christian Dior mit dem so genannten „New Look“ die Weiblichkeit zurück: lange Röcke, eng anliegende Blusen und kleine Handtäschchen.


Bis in die 50er-Jahre waren Taschen allerdings sehr teuer, erst Plastiktaschen aus Massenproduktionen machten sie wieder erschwinglich. Der Plastikkult wurde in den 60er-Jahren fortgeführt, als Taschen aus Weichplastik, wasserfestem PVC und Hartplastik für Griffe und Verschlüsse verwendet wurden. Kombinationen aus Plastik und Metall, bedruckte Papiere und synthetische Stoffe aller Art waren zu dieser Zeit total im Trend. In den 70er-Jahren schwappte die Hippie- und Folklore-Welle aus den Vereinigten Staaten zu uns rüber und Romantik spielte eine große Rolle. Übrigens entwickelte sich in dieser Zeit die Herren-Handtasche weiter: Wieder lag der Grund in der engen Kleidung – ausgebeulte Taschen- und Hemdtaschen waren zu dieser Zeit nämlich out. Schwarze Lederhandkoffer mit scharfen Kanten und Zahlenschloss waren in den 80ern bei gut verdienten Managern äußerst beliebt. Zu dieser Zeit erreichten zudem eingie Handtaschenmarken Kultstatus, den andere Accessoires bis heute nicht erreicht haben.


Bis heute verkörpert die Handtasche ein Image – egal, ob sie als Markenprodukt oder Unikat gefertigt wurde. Zum einen dient sie als praktischer Gegenstand, mit dem man Sachen von A nach B transportieren kann. Zum anderen gilt sie in außergewöhnlichen Formen als Abbild unserer Fantasie. Was aus einer Notwendigkeit entstand, gilt heute als das beliebteste Modeaccessoire der Frau. Modelle, die einst Grace Kelly oder Jacky Onassis trugen, sind längst Klassikern geworden, die heutzutage noch reißenden Absatz finden.

1 Response to Nicht ohne meine Handtasche

12. November 2009 um 17:59

die illustrationen sind wunderschön **

weiter so ich finds toll ♥

lg anni
http://wasserstoffperoxid.blogspot.com/

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